Engagement der Roger Federer Foundation

Die Roger Federer Foundation unterstützt seit 2013 das Bokamoso Programm zur Förderung frühkindlicher Entwicklung und Ausbildung in ländlichen Gegenden von Botswana, insbesondere für die marginalisierten indigenen San-Gemeinschaften. Durch das Anbieten einer formalen Ausbildung für Personal der eigenen Ethnie, welches in der frühkindlichen Ausbildung und Betreuung tätig ist, zielt Bokamoso darauf ab, das Problem der hohen Schulabbruchquote von San-Kindern auf Primarschulstufe zu entschärfen. Ausserdem möchten sie Eltern und Gemeinschaften für die Wichtigkeit frühkindlicher und formaler Bildung sensibilisieren. Insgesamt wurde dafür ein Betrag von CHF 1'3330‘000 gesprochen. 2015 wurde das Programm extern evaluiert und es wurde folgende Wirkung bestätigt:

  • 14 zuvor geschlossene und niedergewirtschaftete Kindergärten waren, sind dank der Initiative der Dorfgemeinschaften alle wieder geöffnet und mehr oder weniger in Stand gestellt. 
  • Die Mobilisierung der Bevölkerung gelang jedoch je nach Gemeinde sehr unterschiedlich.  In zwei Gemeinden sind die Kindergärten nur dank der Initiative der Kindergärtnerinnen selbst in Betrieb und der Einbezug der Bevölkerung ist minimal. Bei den anderen Kindergärten erreichen die Kindergärten betreffend Kinderfreundlichkeit, Sicherheit, vorhandenem Spielplatz, Lehrmaterial und Hygiene die Note „überdurchschnittlich“. In zwei Fällen wurden gar zusätzliche Räumlichkeiten von der Gemeinde geschaffen, um die grössere Anzahl Kinder unterzubringen und zwei Klassen zu führen.
  • Alle 24 Aspirantinnen haben der Lehrgang erfolgreich durchlaufen und wurden in ihrer Gemeinde als Kindergärtnerinnen aktiv. Aufgrund Beobachtungen im Klassenzimmer bewegte sich die Qualität des Unterrichts betreffend Kinderfreundlichkeit, Einsatz von Hilfsmitteln, Kreativität und interaktives Lehren zwischen durchschnittlich und überdurchschnittlich. Hier müsste in der zweiten Phase des Programms das Gelernte noch besser verankert werden. Eine Schwierigkeit zweigte sich im Programm, dass 15 % der ausgebildeten Kindergärtnerinnen inzwischen in den Schulen angeworben wurden. In einer Gesamtperspektive ist dies für die Kinder daher kein Verlust, es fehlt nun aber erneut das Know-how auf der Kindergartenstufe. Mit dem erweiterten Ausbildungsprogramm wird dem Rechnung getragen
  • In den 12 Primarschulen hat sich die Absenzrate von San Kindern im Durchschnitt um 7 % verringert, wobei auch hier die Resultate in den verschiedenen Gemeinden sehr unterschiedlich ausfielen. In einer Gemeinde, wo die Bevölkerung sich besonders stark engagiert, konnte die Absenzrate gar um 16 %  gedrückt werden. Besonders eindrücklich sind jedoch die Erfolge im Bereich der Schulabbrüche. In fünf Schulen hat 2015 kein einziges Kind mehr die Schule abgebrochen. Bei den restlichen Schulen fiel die Quote um 5 % auf durchschnittlich 3.5 %.
  • Zudem konnten in den drei Jahren des Programms 337 Kinder zurück in die Schule gebracht werden, welche sie bereits abgebrochen hatten. Die Schulleitungen haben den Zusammenhang dieser Resultate mit den eingeführten Lehrerhilfen bestätigt.
  • Für die Nachhaltigkeit eines Programms nach dem Exit des externen Motivators ist die Führerschaft für die Frühbildung in der Gemeinde eine wichtige Grösse. Wie bereits erwähnt ist diese in zwei Gemeinden nur minimal, so dass weitere Investitionen in einer zweiten Phase nur wenig Sinn machen. In den restlichen Gemeinden erreicht die Verantwortlichkeit der lokalen Bevölkerung die Note „überdurchschnittlich", was im Kontext der San als überraschender Erfolg gewertet werden kann. Nur als durchschnittlich zu bewerten ist das Engagement der Eltern, wenn es um die Bildung ihrer Kinder geht. Dies ist mit ein Grund weshalb die Anzahl Kinder nicht im geplanten Masse anstiegen und nur 2000 Kinder anstelle der 5500 erreicht wurden. Hier muss die Sensibilisierung weitergeführt werden.

Aufgrund der Erkenntnisse der Evaluation wurde die seit Januar 2016 laufende zweite Phase über zwei Jahren mit folgenden Zielen geplant:

  • In neun Kindergärten sind weitere Massnahmen nötig, ob die Qualität der Bildung nachhaltig zu sichern.
  • Die Dorfgemeinschaften müssen noch weiter für die Wichtigkeit der Frühbildung sensibilisiert, mobilisiert und gecoacht werden, wie sie sich besser organisieren können.
  • Die Kindergärtnerinnen benötigen noch weiteres Coaching im Klassenzimmer.
  • Es werden sogenannte Verbindungspersonen eingeführt (“knowledge brokers”), die für die stetige Verbesserung der Kindergärten besorgt sein werden.
  • In einzelnen Gemeinden ist die Arbeit mit den Eltern weiterhin zentral, um die Einschulungsquote und gute Schulführung weiter zu steigern.
  • Von den Massnahmen werden 19 Kindergärtnerinnen und 533 Kinder profitieren. 

Zusätzlich entwickelte Bokamoso einen staatlich anerkannten Qualifikationskurs für Kindergärtnerinnen. Ziel ist es, dass bis 2018 mindestens eine Kandidatin aus sämtlichen ruralen Kindergärten, die sich nicht in einer San Siedlung befinden, absolvieren sollen. Es wird mit 360 Absolventinnen gerechnet. Bereits sind die ersten 47 Kandidaten aus den Regionen Chobe, Okavango und Ghanzi in den Lehrgang gestartet. Die Gemeinden müssen sich zu 25 % an den Ausbildungskosten beteiligen, um ihre Unterstützung für und die Verpflichtung gegenüber dem Kindergarten damit insgesamt zu sichern. Nach drei Jahren wird dieser Betrag zurückbezahlt und muss in den Kindergarten investiert werden.


Unser Implementierungspartner Letloa/Bokamoso Trust

Der «Letloa Trust» ist die federführende Organisation der «Kuru Family of Organizations» (KFO), eine Gruppe von acht nichtstaatlichen Organisationen, welche in Botsuana und Südafrika tätig sind. Der «Bokamoso Trust» ist einer dieser acht Unterorganisationen und konzentriert sich ganz auf die Bildungsförderung der San. Diese verfolgen das gemeinsame Ziel die San, eine der am stärksten gefährdeten Gruppen indigener Völker im südlichen Afrika darin zu bestärken, über ihre Zukunft selbst zu bestimmen. Die San sollen über mehrere tausend Jahre die Kalahari-Wüste bewohnt haben. Bis vor kurzem praktizierten sie nomadisches Jagen und Sammeln. Ihre traditionelle Wirtschaft wird aber seit vielen Jahrzehnten durch den Verlust von Land und dem Zugang zu wichtigen natürlichen Ressourcen beeinträchtigt. Die San sind heute eine der am stärksten marginalisierten Bevölkerungsgruppen im südlichen Afrika und die Integration von San-Kindern in das formale Bildungssystem ist gering. Zurzeit erreicht die KFO mit ihrer Arbeit 40% der San in Botsuana und 70 % der San in Südafrika. Die KFO behandelt die folgenden Themenbereiche vorrangig, um die Beteiligung und Ermächtigung ihrer Zielgruppen zu erleichtern: Land & Lebensgrundlagen, Gesundheit, Kultur und Schulbildung.

Die Rolle des «Letloa Trust» ist die, eine strategische Ausrichtung vorzugeben, die Mitgliederzahlen zu erhöhen, Verwaltung in technischen, institutionellen und finanziellen Fragen sowie der Mittelbeschaffung anzubieten und einige bereichsübergreifende Programme zu leiten. Der «Bokamoso Trust» implementiert das Programm.

Kuru Family of Organizations

Karte

Fakten Botswana

Bevölkerung
2 Mio
San Population
50000
Primareinschulungsquote
87%
Kindergarteneinschulungsquote
16.5%
Analphabetenrate
17%
Schulabbruch San Kindern in Ghanzi
55%

Photo Galerie