Engagement der Roger Federer Foundation

2011 lancierte die Roger Federer Foundation und Action Aid Malawi eine zehnjährige Frühbildungsinitiative in Malawi, eines der ärmsten Länder der Welt. Ziel ist es, die Bildungslandschaft im Land nachhaltig und systemisch zu verändern. Das Programm konnte dank der grosszügigen und langfristigen Unterstützung der Credit Suisse realisiert werden.  Das Programm mit einem Gesamtbudget von 13 Millionen CHF befindet sich in der Halbzeit und wurde bereits zweimal extern evaluiert. Die grundsätzliche Ausrichtung hat sich bewährt, wenn auch einige Komponenten geändert oder intensiviert wurden.

Das Programm wird bis 2020 in insgesamt 80 Gebieten in acht Distrikten des Landes ausgerollt. In jedem Gebiet wird ein Modell-Kindergarten aufgebaut, der den gewünschten Frühbildungsstandard im Land bekannt machen und den Menschen eine Referenz bieten soll. Dessen Lernumgebung ist sicher, kinderfreundlich und stimulierend, die Kindergärtnerinnen sind qualifiziert und fördern das Potential ein Maximum, die Kinder erhalten täglich eine ausgewogene Mahlzeit und die Eltern sind die Frühbildung ihrer Kinder eingebunden. Derzeit, das heisst zur Halbzeit der Initiative, sind bereits 50 solcher Modell-Kindergärten in Betrieb.

In einem zweiten Schritt werden dann rund um die bereits etablierten Modell-Kindergärten sogenannte Satelliten-Kindergärten in das Programm integriert. Pro Modell-Kindergärten kommen im Durchschnitt fünf bereits bestehende Satelliten hinzu. Diese werden jedoch nicht den vollen infrastrukturelle Unterstützung erhalten wie die Modell-Kindergärten. Dennoch erhoffen wir uns, dass sie durch diese motiviert und inspiriert werden und sich durch Eigeninitiative dem Modell annähern. 

Folgende Resultate wurden bisher erreicht und von der Evaluation bestätigt:

  • Bis heute haben 47‘000 Kinder Zugang zu qualitativ ausreichenden bis sehr guten Kindergärten erhalten.
  • In einer Kontrollgruppe von 10% aller Kinder wurde die mentale, kognitive und spirituelle Entwicklung nach zwei Jahren erhaltener Frühbildung gemessen. Waren zu Programmbeginn 37% der Kinder altersgerecht entwickelt und bestanden die entsprechenden Tests, waren es im letzten Jahr 65%.
  • Die Kinder der ersten Jahrgänge seit Einführung des Programms befinden sich heute bereits in der zweiten Primarklasse. Hier wird die Entwicklung einer Kontrollgruppe langfristig beobachtet, doch bereits jetzt kann festgestellt werden, dass 89% der Kinder aus unseren Kindergärten leistungsmässig Klassendurchschnitt oder drüber sind. 24% davon zählen gar zu den besten ihres Jahrgangs. 
  • Die neugebauten oder renovierten Modell-Kindergärten überzeugten die Evaluatoren durch die Qualität der Infrastruktur. Sie verfügen über kinderfreundliche sanitäre Anlagen, drei Klassenräume mit stimulierendem Lernmaterial, eine Küche, einen Lagerraum und bieten einen Kinderspielplatz. Auch die Wasserversorgung der Kindergärten gehört zum Standard.
  • Diese attraktive Lernumgebung hatte grossen Einfluss auf die Einschulungsquoten, welche durchschnittlich um 614% gestiegen sind. Auch in den Satelliten-Kindergärten haben sich in einigen Distrikten die Quoten verdreifacht, in allen anderen Distrikten zumindest verdoppelt. 
  • Zu Programmbeginn hatten 95% der Kindergärtnerinnen noch nie eine Schulung in Frühbildung erhalten. Entsprechend niedrig wurde in der Basisstudie die Qualität des Unterrichts gemessen. Durchschnittlich erreichte sie 33%. Heute haben sämtliche Kindergärtnerinnen eine formale Ausbildung absolviert und erreichen durchschnittlich eine Qualität von 75%. Die Messung umfasst auch die Satelliten-Kindergärten, die mit einer viel einfacheren Infrastruktur vorlieb nehmen müssen als die Modell-Kindergärten.
  • Eindrücklich sind die Entwicklungen bei den Eltern. Förderten zu Beginn durchschnittlich 30% der Eltern ihre Kinder aktiv zu Hause, sind es heute 64%, die sich aktiv in die Frühbildung ihrer Kinder und im Kindergarten einbringen und  frühkindliche Fördermassnahmen auch bei sich zuhause umsetzen. 
  • Nicht zuletzt organisieren 68 % der Dorfgemeinschaften eine regelmässige nahrhafte Mahlzeit für die Kindergärten und verbessern damit den Ernährungsstatus der Kinder. Dieser Wert liegt unter den Erwartungen, da Überschwemmungen im letzten Jahr ein grosses Problem für die Nahrungssicherheit darstellten. Dennoch ist das Engagement der Bevölkerung und die Eigeninitiative gross, was eine Grundvoraussetzung darstellt, um die erreichte Qualität der Kindergärten auch nachhaltig aufrecht zu erhalten. Nach unserer Einschätzung sollte dies in 80% der Kindergärten der Fall sein.

Unser Implementierungspartner ActionAid Malawi

ActionAid Malawi (AAIM) ist eine nicht-staatliche, nationale Entwicklungsorganisation, welche 1990 in Malawi gegründet wurde. Sie ist zwar Mitglied der internationalen Föderation von über 40 nationalen ActionAid Organisationen mit Sitz in Südafrika. AAIM ist aber zu 100% eine lokale NRO, entscheidet und agiert unabhängig und wird ausschliesslich von lokalen Mitarbeitern geführt. AAIM konzentriert sich bei ihrem Engagement auf die Armutsbekämpfung und ist in 14 Distrikten von Malawi aktiv. Dabei hat sich AAIM auf rurale und besonders abgelegene Gebiete spezialisiert und arbeitet in langfristig angelegten Programmen. Der Einbezug und die Mitverantwortung der lokalen Gemeinschaften ist ein besonderes Anliegen von AAIM. Als Beratungsorganisation der malawischen Regierung verschafft AAIM dieser tendenziell ausgegrenzten Bevölkerungsschicht in der Hauptstadt Gehör.

www.actionaid.org/malawi/

Karte

Fakten Malawi

Bevölkerung
15 Mio
Schulpflicht
5-12 years
Einschulungsrate
Primar 86%, Sek Mädchen 13%
Analphabetenrate
38%
Ernährung
19% unter 5 Jahren sind unterernährt

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