UNESCO Education For All (EFA) Länderprofil

Namibia hat die Grösse von 825,418 km² mit nur 2.3 Millionen Einwohnern in 2012 und ist damit eines der am wenigsten besiedelten Länder der Welt. Namibia zählt zu den Ländern mit sogenannt mittlerem Einkommen, ist aber geprägt von starken sozio-ökonomischen Ungleichheiten. Die Verbreitung von HIV&AIDS unter der erwachsenen Bevölkerung zwischen 15 und 49 Jahren stellt ein grosses Problem (13.4 Prozent) dar. 2013 rangierte das Land als Nummer 128 von 187 Ländern auf dem Human Development Index (HDI).

Vergleicht man die Entwicklungen Namibias im African Education for All Development Indexes zwischen 2000 und 2012, dann konnte das Land durchaus gewisse Fortschritte erzielen. Dies vor allem im Bereich der Abschlussquote auf Primarschulstufe, welche sich von 76.7 Prozent auf 90.1 Prozent steigern konnte. Die Alphabetisierungsquote bei Erwachsenen konnte sich ebenfalls leicht verbessern von 85.0 Prozent auf 88.7 Prozent. Jedoch zeigte sich bei der Geschlechterparität ein negativer Trend auf der Primarschulstufe: Von 98 Prozent zugunsten der Mädchen im Jahr 2000 gegenüber 96.5 Prozent zugunsten von Knaben im Jahr 2012. 

Auf der Vorschulstufe sind ebenfalls Rückschritte zu verzeichnen. Im Jahr 2000 hatten noch 36 Prozent der Kinder Zugang zu Frühbildung, 2006 waren es nur noch 30 Prozent. Dieser negative Trend scheint sich in den letzten Jahren fortzusetzen. Derzeit sind die meisten Kindergärten in Namibia noch private Businessinitiativen. Entsprechend gross sind die Qualitätsunterschiede zwischen den Zentren. In wenigen Kindergärten sind die Eigentümer und das Personal geschult und bieten einen akzeptablen Standard an. Die grosse Mehrheit der Kindergärten aber erfüllen nicht einmal minimale Standards im Bereich Bildung, Sicherheit, Hygiene oder Ernährung. Auch die fehlende Rolle und Verantwortung der Eltern in der Frühförderung ihrer Kinder wurde als grosse Lücke identifiziert. Und da die privaten Kindergärten nur zahlenden Kindern offen stehen, werden die am meisten benachteiligten Kinder von dieser Bildungsstufe ausgeschlossen. 

Insgesamt konnte die Bildungsreichweite erhöht werden. Die Einschulungsquote auf unterer Sekundarschulstufe stieg um 20 Prozent auf 102 Prozent, auf höherer Stufe um 8 Prozent auf 38.1 Prozent. Seit dem Jahr 2001 ist Zugang zur Schule in Namibia universell. Doch nicht alle beenden die Primarschule, auch wenn hier Fortschritte gemacht wurden (von 72 Prozent auf 85 Prozent). Auf höherer Sekundarschulstufe hingegen bleiben mit 94.8 Prozent sehr viele Jugendliche bis zum Abschluss, wenn sie das rigorose Auswahlverfahren auf den unteren Stufen einmal geschafft haben, wo nur 67 Prozent weiterkommen und 22.7 Prozent repetieren müssen. Was die Bildungsqualität in Namibia anbelangt, muss erwähnt werden, dass sie durchschnittlich mit der Qualität in Ostafrikanischen Staaten vergleichbar ist.

Die Resultate in Bezug auf die Erfüllung der Eduation for All Ziele bleiben klar unter den Erwartungen, obschon in Namibia eigentlich vorteilhafte Rahmenbedingungen herrschen würden. Das staatliche Bildungsbudget liegt mit 22 Prozent nur gerade im Durchschnitt aller Staaten südlich der Sahara. Dieses Budget verteilte sich 2012 zu 41 Prozent auf die Primarschulstufe. Dieser Wert war damit tiefer als der Durchschnitt der Staaten südlich der Sahara, der bei 44 Prozent lag. Ebenfalls acht Prozent unter dem Durchschnitt mit 22 Prozent liegt die Budgetbilanz von Namibia zugunsten der Sekundarschulstufe.