IRIN Artikel, Jan 2013, UN Office for the Coordination of Humanitarian Affairs

Simbabwes Bildungssystem galt einmal als das Beste auf dem afrikanischen Kontinent. Der wirtschaftliche Abstieg des Landes liess das Bildungssystem beinahe kollabieren. In der letzten Zeit mehren sich die Zeichen, die auf eine Besserung hinweisen. Jedoch sind bis anhin keine aktuellen Zahlen verfügbar, die dies unterstreichen könnten.

Die hohe Inflation führte dazu, dass die Löhne der Lehrer nichts mehr wert waren und auch kein Geld mehr da war, um neues Schulmaterial zu besorgen oder den Unterhalt der Schulen zu gewährleisten. Die Abwärtsspirale des Bildungssystems begann jedoch bereits früher. Zwar wurde in den ersten zehn Jahren nach der Unabhängigkeit des Landes weiterhin viel in das Bildungssystem investiert, in den 90iger gingen diese Investitionen jedoch massiv zurück. 

Vor 2009, als Wirtschaftsreformen umgesetzt und Geldgeber, die das marode Schulsystem wieder aufbauen wollten, gefunden wurden, waren die meisten Schulen geschlossen, Lehrer am Streiken und die Schulgebäude am Verfallen. In einigen Schulen teilten sich bis zu 15 Schüler ein Schulbuch, in anderen Schulen hatte gar nur der Lehrer ein Schulbuch. Vor der Krise lernten die Kinder im ersten Schuljahr lesen und schreiben, jetzt brauchen sie dazu mindestens 4 Jahre. Mit der Hilfe von Geldgeber besitzen nun wieder alle Schüler ein eigenes Schulbuch.

Auf dem Höhepunkt der Krise 2008 gingen nur gerade 20% aller Kinder in die Schule, 94% der Schulen auf dem Lande blieben geschlossen. Nachdem 2007 noch 70% das Schlussexamen bestanden, waren es ein Jahr später nur noch 52% und 2009 noch 39%. Seitdem geht es wieder aufwärts, bestanden doch 2010 wieder 42% und 2011 schon 45% das Schlussexamen. Experten gehen davon aus, dass diese Rate jedoch in den nächsten Jahren weiterhin auf tiefem Niveau bleiben wird. 

Der Mangel an geeigneter Infrastruktur wird das Schulsystem weiterhin behindern. Das Fehlen von Klassenräumen hat dazu geführt, dass die Schulen das sog. „hot seating“ eingeführt haben, eine Hälfte der Schulkinder geht morgens zu Schule, die andere Hälfte am Nachmittag. 

Das Budget für Bildung sah für 2012-2013 750 Mio USD vor. Mehr als die Hälfte wurde für die Löhne der Primar- und Sekundarlehrer ausgegeben, welche durchschnittlich 300 USD pro Monat erhalten. Da sie im Schnitt noch 1 USD an Lohn erhielten, wechselten viele Lehrer während der Inflation ihre Stelle um in anderen Sektoren zu arbeiten. Das Bildungsministerium erlaubt diesen Lehrern, wieder als Lehrer zu arbeiten, aber da auch viele Lehrer das Land verlassen haben, man spricht von bis zu 20‘000, fehlen Simbabwe die Lehrer. Im Moment arbeiten 160‘000 Lehrer, es bräuchte aber mind. 30‘000 mehr. Aber selbst wenn diese Zahl an Lehrern erreicht wird, stünden nicht genug Klassenräume zur Verfügung.