Engagement der Roger Federer Foundation

Zum ersten Mal seit ihrem Bestehen hat die Roger Federer Foundation nicht nur eine Initiative selbst entwickelt, sondern übernimmt auch die Programmleitung. Was sind die Gründe für die Lancierung des neuen Programms zwecks Förderung des interaktiven Lernens und Lehrens mit dem Namen "i-act"?

  • Die Lehrqualität ist ein grundsätzliches Problem in Afrika. Die Mehrheit der Lehrer wurde nie didaktisch ausgebildet, da sich die Lehrerseminare oft nur auf die zu vermittelnden Inhalte konzentrieren, statt Lehrmethodik zu dozieren. Dazu kommt, dass in abgelegenen Schulen regelmässig Lehrpersonen unterrichten, die nie eine formelle Ausbildung genossen haben. Entsprechend haben wir die Erfahrung gemacht, dass mit einer Weiterbildung der Lehrer in Pädagogik und Didaktik die Bildungsqualität massgeblich verbessert werden kann, unabhängig von der Lernumgebung.
  • Neue Technologien machen zudem Fernkurse möglich und öffnen diese für viele Lehrer, die ansonsten nie einen Zugang zu Weiterbildung erhalten würden.
  • Ein Fernkurs zu entwickeln birgt zwar hohe Initialkosten, danach ist die Kosteneffektivität dank grosser Verbreitung jedoch sehr attraktiv.
  • Ein Kurs, der sich hauptsächlich auf Lernvideos mit Lehrern aus dem gleichen Kulturkreis abstützt, ist für die Kursteilnehmer stimulierend und erhöht die Identifikation mit den Inhalten.
  • Lernen sollte nicht nur individuell, sondern in Gruppenarbeit erfolgen. Der Fernkurs geht über viele Wochen und etabliert eine neue Mentalität des Gruppenmentoring unter Lehrern, wie es heute kaum an den Schulen existiert. Die Nachhaltigkeit ist daher vielversprechender als bei einer einmaligen Weiterbildung.
  • Der Fernkurs muss motivierend und attraktiv daher kommen. Daher müssen auch verschiedene Anreize berücksichtigt werden.

Basierend auf dieser Ausgangslage haben wir zusammen mit regionalen Experten einen Video-basierten Fernkurs für interaktives Lernen und Lehren entwickelt. Der Kurs wird via Tablets oder Memo-Sticks zu den Schulen gebracht und die Lehrer durchlaufen ihn in wöchentlichen Gruppenarbeiten. Die Schulen werden dabei sowohl in Gruppentreffen wie online gecoacht.

Unsere erstrangige Zielgruppe sind unqualifizierte Laienlehrer in Zambia, die in den Dorfschulen als Freiwillige unterrichten. Zusätzlich werden Lehrer an staatlichen Schulen den Kurs runterladen oder via USB stick gratis bestellen können. 

Da das Programm ziemlich komplex ist und Neuland betritt, war es für einmal nicht möglich, einer einzigen lokalen Organisation die Implementierung zu delegieren. Es wurden je nach Phase verschiedne lokale Akteure involviert. Für die Entwicklung des Kurses arbeiteten wir mit der renomierten südafrikanischen Organisation Saide zusammen. Für die Produktion waren mehrere sambische Akteure beteiligt. Die Kursverbreitung wird nun in Zusammenarbeit mit mehreren sambischen Organsiationen wie ROCS, ZOCS oder DAPP erfolgen, die bereits mit Dorfschulen arbeiten. Ein sambisches Komitee wird den Prozess begleiten und uns beraten.

In diesem Jahr werden zunächst einmal 1500 Lehrer in 500 ländlichen Dorfschulen den Kurs absolvieren. Nach gründlicher Analyse dieser Testphase wird 2018 dann eine grössere Anzahl von 6500 Lehrer in 1500 Schulen angepeilt. Für die Kursentwicklung und die ersten zwei Jahre der Verbreitung hat der Stiftungsrat ein Budget über 1.8 Mio CHF gesprochen.  

Karte

Fakten Sambia

Bevölkerung
13.5 Mio
Anteil Gemeinschaftsschulen
20%
Kindergartenkinder in ländlichen Gebieten
3%
Kinder mit Mangelernährung
1 Mio
Waisenkinder unter 15 Jahren
1.2 Mio

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