Kontext Frühbildung

Mit einer Fläche von 825.418 km2 und knapp 2,3 Millionen Einwohnern (2012) ist die Republik Namibia sozusagen eine Wüste an der südwestlichen Spitze Afrikas: Mit weniger als drei Einwohnern pro Quadratkilometer gehört Namibia zu den am dünnsten besiedelten Ländern des Kontinents. Wirtschaftlich ist das Land weiterhin stark vom Handel mit Südafrika abhängig, von dem das Land 1990 seine Unabhängigkeit erlangte. In den letzten 12 Jahren betrug die Reale Wachstumsrate 4,6% pro Jahr und das durchschnittliche Bruttoinlandprodukt pro Kopf wurde 2012 auf 5,443 USD geschätzt. Namibia ist ein Land der oberen Mittelschicht, das von grossen sozio-ökonomischen Disparitäten gekennzeichnet ist. HIV & AIDS ist mit 13,4% (Personen zwischen 15 und 49 Jahren) sehr hoch. Auf der Rangliste des Index der menschlichen Entwicklung (Human Development Index) liegt das Land auf Rang 125 von 188 Ländern (2015).

Trotz rückläufigen Zahlen stirbt noch immer eines von 20 Kindern in Namibia vor seinem fünften Geburtstag und die Säuglingssterblichkeit (Tod innerhalb des ersten Jahres) beträgt 39 pro 1'000 Geburten (Ministry of Health and Social Services & ICF International 2013: 88). Kinder haben oft gesundheitliche Probleme und/oder sind unterernährt – fast ein Viertel (24%) dieser Kinder sind deshalb unterentwickelt (z.B. zu klein für ihr Alter), 8% sogar stark – dies geht aus Daten der “Demographic and Health Survey 2013” hervor (Ministry of Health and Social Services & ICF International 2014: 131). Unterentwicklung hat negative Auswirkungen auf die kognitive Entwicklung von Kindern und kann ihre ganze Schulzeit negativ beeinflussen. Diese Unterentwicklung findet früh statt und wird durch fehlende qualitativ hochstehende Frühbildung verstärkt. Dies bestätigt auch der Vierte Nationale Entwicklungsplan (NDP4): „Die Herausforderungen in Bezug auf die Qualität der Bildung beginnen mit dem begrenzten Zugang zu frühkindlicher Bildung. Diese befasst sich mit dem Wachstum und den Veränderungen im Leben von Kindern bis zu ihrem sechsten Lebensjahr. In diesen frühen Jahren finden die wichtigsten neurologischen Entwicklungen statt, wobei das Gehirnwachstums bereits nach den ersten drei Lebensjahren stark fortgeschritten ist" (NDP4, 2012: 46-7).

In Namibia besuchen 87% der Kinder im Alter von 0-4 Jahren keine Kindertagesstätten (256‘000 Kinder) und 60% der Kinder absolvieren keine Kindergärten. Im Jahr 2012 wurden 2‘070 Kindertagesstätten (inkl. Kindergärten) registriert, von denen die meisten eine unzureichende Infrastruktur hatten: 66% hatten nicht genügend Toiletten, 34% hatten kein sauberes Trinkwasser und 38% hatten nicht genügend Platz für ihre Schüler. Mit Hinblick auf die Unterrichtsqualität arbeiteten in 35% der Kindertagesstätten – von denen 71% im Besitz der Gemeinden und 20% in Privatbesitz sind – keine ausgebildeten Lehrkräfte. UNICEF-Untersuchungen zeigen weiter, dass Kinder aus Regionen mit unzureichenden Frühbildungsangeboten in Leistungstests am schlechtesten abschnitten. Ausserdem sind in diesen Regionen vergleichsweise viele Kinder zu alt für Ihre Schulstufe und brechen die Schule häufig frühzeitig ab.

 

Quellen: UNESCO EFA Country Profile, 2014; McCusker, Andrew: Financing Early Childhood Education in Namibia: How Microfinance & Education Quality Can Help