Kontext Frühbildung

Südafrika, mit seinen rund 52,4 Millionen Einwohnern, hat eine Fläche von 1,2 Millionen km2. Obwohl Südafrika als "wirtschaftlicher Riese" des Kontinents bekannt ist und ein BIP von knapp über 384,3 Milliarden US-Dollar (2012) hat, wird das Land immer noch durch Armut und tiefe soziale Ungleichheiten geprägt. Noch immer lebt ein Viertel der Bevölkerung unterhalb der Armutsgrenze. Laut dem Human Development Index (HDI) lag Südafrika 2012 auf Platz 121 von 187 Ländern.

Im Beriech frühkindliche Bildung gibt es in Südafrika noch immer sehr viel zu tun. Der Staat investiert viel weniger in Vorschulen als in die staatliche Schulbildung. Obwohl in Südafrika 2001 eine zusätzliche Vorschulstufe (Grade R) eingeführt wurde, was im Vergleich zu anderen Ländern relativ früh ist, und obwohl rund 90% der Grundschulen eine zusätzliche Klasse dieser Stufe anbieten, ist die Vorschulstufe bis heute nicht obligatorisch und der Unterricht, der angeboten wird, zeugt von schlechter Qualität. Eine Evaluation des Departement Leistungsüberwachung und –bewertung (Department of Performance Monitoring and Evaluation) hat gezeigt, dass die Einführung des Grade R für die drei ärmsten Schulregionen keine messbaren Auswirkungen hat, sondern nur für reichere Schulen. Mit der Einführung der Grade R Stufe werden also Ungleichheiten nicht verringert. Im Gegenteil – sie stärkt reichere Schulen zusätzlich. Bestehende Literatur zeigt, dass die Qualität in vielen Vorschulen nach wie vor schlecht ist und dass Betreuer und Lehrer ihre Rolle nur schlecht verstehen und dementsprechend ausüben.

In Südafrika gibt es noch kein System, das Daten zur Schulbereitschaft oder anderen Bereichen Kinderentwicklung erfasst. Es gibt nicht einmal eine nationale Standardbewertung um festzustellen, ob Kinder bereit für die reguläre Schule sind. Darüber hinaus gibt es keine formalisierten Strukturen, Prozesse oder Richtlinien, die den Übergang in die Grundschule erleichtern. Richtlinien für die Förderung von Lernenden in der Grundstufe ermöglichen sogar, dass Kinder, die die Ziele einer Schulstufe nicht erreichen trotzdem in die nächste Klasse befördert werden. Die wenigen verfügbaren Daten zu Wiederholungsraten von Grade R und Grade 1 weisen aussergewöhnlich hohe Zahlen auf.

Um den Kreislauf der Armut zu durchbrechen, ist es besonders wichtig, dass Kinder aus finanziell benachteiligten Familien Zugang zu Frühbildung haben. Daten zeigen jedoch, dass fast 50% der Kinder zwischen 0 und 6 Jahren vor der Grundschule keine Vorschule besuchen. Je niedriger das Einkommen, desto niedriger ist die Einschulungsrate bei Frühförderdiensten.